Jod – ein uraltes Heilmittel, Jod bei Hashimoto

Jod ist ein uraltes Heilmittel. Jod wurde vom französischen Chemiker Bernard Courtois im Jahre 1811  entdeckt. Jod kommt in der Natur in Form von Iodate und Iodide vor. In Meerwasser – im Form von  Natriumiodid und Magnesiumiodid. Hippokrates hat vor 2500 Jahren Seetang verschrieben, um eine Entstehung eines Kropfs (“merkwürdig verdickten Hälsen”) zu verhindern. Ein gesunder erwachsener Körper enthält 15 bis 20 mg Jod. Ungefähr 70% des Jods befindet sich in der Schilddrüse.

 

Jod ist ein endemisches Spurenelement. D.h. das es Regionen gibt, in denen der Jodgehalt im Boden und in Pflanzen unzureichend ist. Dies führt bei den Anwohnern dieser Region zu einer Schädigung der Schilddrüse.

 

 

Physiologische Rolle von Jod

Jod ist ein wesentlicher Bestandteil der Schilddrüsenhormone. Darüber hinaus werden Iodide und Oxyiodide von Makrophagen und Granulozyten als natürliche bakterizide Mittel verwendet. Jod brauchen auch unsere Nervenzellen  und unser Gehirn.  Jod ist an folgenden Prozessen beteiligt:

 

  • Bildet die Schilddrüsenhormone T3 und T4
  • Wachstum und Differenzierung aller Gewebe
  • Beteiligung an Wärmeregulation im Körper, wichtige Rolle  für den Energiestoffwechsel 
  • Reguliert Stoffwechselprozessen in vielen Körperzellen, gibt Energie
  • Synthese von Glucokinase, Glycerin-3-phosphatDehydrogenase, Malatdehydrogenase 
  • Verhindert übermäßiges Zellwachstum
  • Bildung von vielen Peptidbindungen
  • Regt die Fettverbrennung an
  • Positive Auswirkungen auf den Fettstoffwechsel
  • Wirkt antibakteriell, reinigt das Blut
  • Stärkt das Immunsystem
  • Arbeit der Transfer-RNA
  • Regulation des Transmembrantransports von Natrium und Hormonen
  • Wichtige Rolle für die kognitiven Fähigkeiten
  • Wichtige Rolle für die Nervenfunktion
  • Wichtige Rolle für die Erhaltung der Haut

 

Jod ist ein Bestandteil von Schilddrüsenhormone T3 und T4. Diese Hormone steuern den Grundumsatz in den Geweben. Sie sind ein Schrittmacher des gesamten Stoffwechsels. Da der Körper den Nährstoff nicht selbst bilden kann, muss er genauso wie Eisen und Zink mit der Nahrung aufgenommen werden. Die Schilddrüse Jod speichern und sogar bis zu drei Monate den Bedarf aus den Reserven holen. 

 

 

 

 

Jodstoffwechsel 

 

Der nächste Abschnitt ist evtl. etwas trocken und vielleicht auch kompliziert. Dieser Abschnitt ist für diejenigen meiner Leser, die eine Interesse an chemischen Vorgängen haben, und die einige Details über den Jodstoffwechsel erfahren wollen. Alle, die kein Interesse an diesem Thema haben, können den Abschnitt einfach überspringen und gleich bei „Klinische Manifestationen von Jodmangel“ weiterlesen (LINK).

 

Pro Tag gelangen bis zu 300 µg Jod in den menschlichen Körper, 59% direkt aus Pflanzen, 33% über Tierfutter, 4% aus Wasser und 4% aus der Luft.

 

Jodsalze werden im Dünndarm schnell und vollständig resorbiert und gelangen über die Blutbahn in die Schilddrüse. Insgesamt sind im Körper bis zu 11-30 mg Jod angesammelt, davon 16-40 mmol/kg Trockenmasse in der Schilddrüse. Sinkt der Jodgehalt im Körper auf 8 mmol/kg, so kommt es zu Gewebehypertrophien.

 

Im Blut befindet sich hauptsächlich an Proteine gebundenes Jod: anorganischer – bis zu 0,43 μmol/l in mineralischer Form und 0,24 μmol/l in organischer Form. Magen und Darm enthalten ungefähr 70 Mikrogramm Jod pro 100 ml.

 

Aktives Jod wird zur Synthese von T4 (Thyroxin) verwendet, einige Jodide liefern ein komplexes I3-Ion, das das aktive Jod ersetzen kann und zu einen Kropf mit Hypothyreose führen kann. Der Transport von Iod zur Schilddrüse wird durch Brom, Astat, Nitrate, Perchlorate, Resorcin, Salicylate, Thiocyanate und Thiocyanate blockiert. Thiocyanate oder Rhodanide sind z.B. in Kreuzblütlern oder anderen Gemüse-Arten enthalten: Rübe, Rettich, Blumenkohl und Rotkohl, Spinat, Senf, Hirse, Bohnen, Soja, Erdnüssen, sowie in Tapioka, Manioka oder Mango. Ein Überschuss dieser Produkte in der Nahrung kann zur Entwicklung einer Schilddrüsenunterfunktion beitragen. Brom hemmt Jod im Körper und leitet Jod aus dem Körper aus.

 

80% T3 (Triiodthyronin) wird hauptsächlich in der Peripherie – insbesondere in der Leber – aus T4 (Thyroxin) synthetisiert, wobei die Blutkonzentration von T3 höher ist als T4 und T3 im Vergleich zu T4 drei-fünf Mal aktiver ist. T3 hat eine zehnmal schlechtere Fähigkeit sich an Proteine zu binden, daher geht er zu den Geweberezeptoren. Mit einer Abnahme des Blutspiegels von fT4, nimmt die Synthese des Schilddrüsen-stimulierenden Hormons (TSH) in der Hypophyse zu, was die Produktion von Hormonen in der Schilddrüse stimuliert.

 

Unter Beteiligung von Protease- und Peptidaseenzymen werden T4 und T3 vom Thyreoglobulin getrennt und diffundieren in das Blut. Infolge der Thyreoglobulin-Proteolyse scheiden sich neben Schilddrüsenhormonen auch Monoiodtyrosin und Diiodtyrosin Moleküle ab. Sie werden in den Schilddrüsenzellen vom Jod befreit und das freigesetzte Jod wird wieder in den obigen Zyklus aufgenommen. Die halbe Eliminationszeit von Jod aus der Schilddrüse beträgt 120 Tage.

 

Schilddrüsenhormone, die in den Blutkreislauf gelangen, werden an Transportproteine ​​gebunden und bilden einen inaktiven Anteil an Hormonen, der 99% des gesamten T4 und T3 ausmacht. Biologisch aktiv sind Hormone, die nicht an Proteine gebunden sind, dh. freies T3 und freies T4

 

In der Leber bilden Teile von T4 und T3 mit Glucuronsäure Verbindungen, die mit der Galle in den Darm ausgeschieden werden, wo sie gespalten werden. Jod wird teilweise wieder in das Blut aufgenommen und in einer Menge von bis zu 20 µg pro Tag mit dem Kot ausgeschieden. Bei Dysbiose kann die enterische Absorption von Jodverbindungen massiv beeinträchtigt sein.

 

Die Hauptrolle bei der Ausscheidung von Jod aus dem Körper spielen die Nieren: 9 bis 1340 µg gehen pro Tag im Urin verloren. Glukokortikoide und Aldosteron erhöhen die Jodausscheidung im Urin. Die Halbwertszeit von T4 beträgt ungefähr sieben Tage, T3 ungefähr einen Tag.

 

 

 

Klinische Manifestationen von Jodmangel

 

Bei unzureichender Jodaufnahme entwickelt sich im Körper eine endemische Struma (Vergrößerung des Schilddrüsengewebes) mit Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion). Eine Struma kann diffus, knotig, diffus-knotig oder multinodulär sein. Die wichtigsten klinischen Manifestationen der Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion):

 

  • Verlangsamung des Stoffwechsels
  • unerklärliche Zunahme des Körpergewichts
  • langsamer Herzschlag
  • Kälteempfindlichkeit
  • Schwellungen am Körper und Schwellungen im Gesicht
  • Schwäche und Müdigkeit, Antriebsschwäche
  • Geringere geistige Leistungsfähigkeit
  • Apathie, Schläfrigkeit, Trägheit
  • Arthralgie (Gelenkschmerzen)
  • Myalgie (Muskelschmerzen), Muskelkrämpfe
  • Infektneigung 
  • Verstopfung
  • Trockene Haut, struppige Haare
  • Blasse, raue, trockene Haut
  • Kopfschmerzen
  • Menorrhagie (abnorm starke und lang anhaltende Monatsblutung)
  • Heisere Stimme
  • Enge- und Druckgefühl im Hals
  • Atem- und Schluckbeschwerden
  • Regelstörungen bei der Frau
  • unerfüllter Kinderwunsch
  • Verzögerung des Wachstums und der geistigen Entwicklung von Kindern bis zur Entwicklung von Jod-Kretinismus
  • Hoher Cholesterinspiegel im Blut
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Depression
  • Kropfbildung (Struma)
  • Verlust der Gedächtnisleistung (Studie des Southwest College of Naturopathic Medicine)

 

 

Ursachen, die zu Jodmangel führen

 

  • Leben in jodarmen Gebieten. Jodmangel ist charakteristisch für Gebirgsländer, die vom Meer weit entfernt sind
  • Deutschland gilt als absolutes Jodmangelgebiet, daher ist eine Substitution häufig sinnvoll
  • Reduzierter Verzehr von jodreichen Produkten – Seefisch, Meeresfrüchte, Fleisch, Obst und Gemüse
  • Mangel in der Ernährung von Kobalt, Kupfer, Molybdän, Kalzium und essentiellen Aminosäuren. Ein Mangel an diesen Elementen führt zu einer Abnahme der Aktivität der Iodinase, die an der Aufnahme von Iod an Tyrosin beteiligt ist 
  • Manche Medikamente
  • Rauchen

 

Ein Jodüberschuss mit Vergiftungssymptomen kann bei einer Überdosierung von Jod oder bei Jod Kumulation auftreten. Dies äußert sich klinisch in Anzeichen einer Thyreotoxikose:

 

  • Tachykardie
  • Tremor
  • Hyperhidrose (eine übermäßige Schweißproduktion)
  • Wärmeunverträglichkeit
  • Regelstörungen bei der Frau
  • Exophthalmus (Glotzauge)
  • Durchfall
  • Erschöpfung
  • erhöhte geistige Reizbarkeit
  • Zittern
  • Reizbarkeit, Labilität
  • Schneller Herzschlag
  • Jodakne

Ein Jodüberschuss wirkt sich negativ auf die Schilddrüse. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann auch durch zu viel Jod verursacht werden, obwohl sie eigentlich eine typische Folge eines Jodmangels ist!

In der Praxis kommt oft die Frage “soll man Jod zuführen oder nicht”? . Eine Schilddrüsenüberfunktion kann durch eine hohe Jodzufuhr verstärkt werden. Das heißt, bei M: Basedow und bei heißen Knoten sollte man darauf achten, keine großen Jodmengen zuzuführen. Hashimoto kann sich in der Anfangsphase durch Jod verschlechtern und man sollte vorübergehend großen Mengen von Jod meiden.

 

Bedarf an Jod und seinen Nahrungsquellen

 

Der tägliche Jodbedarf von Männern und Frauen beträgt 150 – 200 µg, zusätzlich für Schwangere  und stillende Mütter 70 µg. Der höchste akzeptable Wert liegt in der Schulmedizin bei 300 µg. Jod Toxizität tritt bei täglichen Aufnahme von um die 2000 µg ein. Die empfohlene Tagesdosis erhöht sich, wenn man viel Sport treibt (Jod wird über den Schweiß ausgeschieden). Auch bei schweren mentaler Arbeit (Prüfungen, Projekte ect.) steigt der Jodbedarf. Eine Therapie mit hohen Jod Dosen sollte nach dem Jodprotokoll ausschliesslich unter therapeutischer Begleitung durchgeführt werden. 

 

Eine japanische Studie zeigt, dass sogar eine Tagesdosis von 1 bis 3 Milligramm noch keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit hat, sondern ganz im Gegenteil die Gesundheit fördert.

 

 

 

Nahrungsquellen für Jod 

Die größte Menge an Jod findet sich in Meeresprodukten (Fische, Krustentiere, Tang), Gemüse/Pilze (Feldsalat, Brokkoli, Champignons, Spinat, Shiitake), Milch.

 

Jodgehalt ausgewählter Nahrungsmittel pro 100g – Mikrogramm

  • Silberhecht 160 
  • Pazifische Pollac 150 
  • Schellfisch 150
  • Kohlfisch  150
  • Hering, Thunfisch 150
  • Kabeljau 135 
  • Blaue Wittling  135
  • Garnelen, Miesmuscheln 130
  • Feldsalat 6o
  • Spinat 20
  • Eigelb 33  
  • Bohnen 12,1
  • Grünkohl 12
  • Milch  9

Algen – Spirulina oder Chlorella – sind  gutes Nahrungsergänzungsmittel, wenn das Jod in den zugeführten Lebensmitteln nicht ausreicht.

 

Lebensmittel, die die Jod-Aufnahme verhindern oder einschränken. Sie sollten bei Jodmangel eher selten verzehrt werden:

  • Kohl
  • Rettich
  • Hirse
  • Mais

 

 

 

Die rechtzeitige Beseitigung eines Jodmangels dient der Prävention von Hashimoto – Autoimmunthyreoiditis, da dies eine jodinduzierte Hyperthyreose verhindert. Bei Patienten mit Hashimoto – Thyreoiditis führt eine tägliche Einnahme von weniger als 0,1 mg täglich Jod zu keinem Risiko. Ein Verbrauch von mehr als 0,1 mg täglich kann jedoch kritisch sein. Die Fähigkeit der Schilddrüse Jod aufzunehmen und zu speichern ist bei Hashimoto eingeschränkt. Bei einem nachgewiesenen Jodmangel (wenn Jodausscheidung im Urin < 100 Mikrogramm/l ist) sollte man diesen sehr langsam ausgleichen. Man testet zuerst die Fähigkeit zur Jodaufnahme mit sehr kleinen Jod Dosen (z. B. mit homöopathischen Fucus vesiculosus D4 (Blasentang), Globuli). Langsam wird die Menge erhöht. Später kann man bei Verträglichkeit Kelp-Extrakt 100 mg einnehmen.

 

Ich empfehle hier ein gutes Buch von Dr. David Brownstein über Jodmangel und autoimmune Schilddrüsenerkrankungen „Iodine: Why You Need It Why You Can’t Live Without It“. Jod Einnahme in Mikrogramm Bereich kann laut dem Autor dazu führen,  dass es zu einer Zunahme der Schilddrüsen-Antikörper kommt. Wird allerdings Jod in Mengen zu sich genommen, die höher sind, als für die Produktion der Schilddrüsen-Hormone benötigt wird (ab ca. 15 Milligramm), entsteht  eine Substanz, die zur Antikörper Reduktion führt.

 

Jod wird im Körper nicht nur für die Schilddrüse, sondern auch für Brustdrüsen und andere Gewebe benötigt. Besonders viele Jod-Aktivitäten wurden in folgenden Organen nachgewiesen: Schilddrüse, Eierstöcke, Brustdrüsen, Speicheldrüsen, Magen-Darm-Trakt, Prostata, Zilliarkörper im Auge, Plexus choroides im Gehirn (Liquorproduktion), Haut, Tränendrüsen, Nieren, Thymusdrüse. Jod macht Sinn nur im Zusammenspiel mit Selen.

 

 

 

 

Folgende Methoden werden zur Beurteilung der Jodverfügbarkeit empfohlen:

 

  • Beurteilung des Vorhandenseins und des Grades von Kropf durch Abtasten und Ultraschall
  • Bestimmung der Jodausscheidung im Urin – Der Urintest dient der Beurteilung einer Aufnahme durch die Nahrung
  • Bestimmung von fT4, fT3 und/oder TSH, der indirekt auf einen Jodmangel hinweist
  • Jod-Haut-Test – es wird mit der Lugolschen Lösung auf die Haut ein Quadrat  gemalt. Bei normaler Jodversorgung sollte die Zeichnung nach 24 Stunden noch sichtbar sein. Je schlechter die Jodversorgung im Körper ist, , desto schneller verschwindet die Färbung der Haut.

 

Wichtige Laborwerte:

TSH 0,4 – 4 mlU/l (wie in anderen Beiträgen bereits geschrieben sollte der Wert bei 1-2 mlU/l  liegen

fT3 – 2,8 – 7,1 pmol/l

fT4 – 12-22 pmol/l

Jod im Urin (Jod-Belastungstest im 24-Stunden-Urin) – 100 – 500 µg /24 Stunden

 

 

 


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